Feedreader-Alternative finden: OPML, Grenzen, Stolperstellen
Die Frage nach einer Alternative kommt fast immer aus einem von drei Gründen: Das Gratis-Kontingent ist voll, der Dienst hat sich verändert, oder du willst nicht, dass ein fremder Server mitschreibt, was du liest. Welcher Grund es ist, entscheidet die Antwort. Für das volle Kontingent reicht ein anderer Anbieter. Für die anderen beiden Gründe reicht er nicht, weil das Problem dann in der Bauart liegt und nicht im Preis.
Erst den Grund klären, dann das Programm
Wenn du gegen eine Grenze läufst, sind die Zahlen öffentlich und vergleichbar. Feedly setzt im kostenlosen Tarif bei 100 Quellen, 3 Feeds und 3 Boards an. Inoreader erlaubt kostenlos 150 RSS-Abos, dazu 20 Web-Feeds, 20 Newsletter-Feeds und 30 Monitoring-Feeds; der Pro-Tarif liegt bei 6,67 € im Monat bei Jahreszahlung, 8,99 € bei monatlicher Zahlung. Das ist eine reine Rechenaufgabe: Zähl deine Abos, dann weißt du, ob ein Wechsel des Anbieters das Problem löst.
Der zweite Grund ist Verlass. Google Reader ging am 7. Oktober 2005 an den Start und wurde am 1. Juli 2013 abgeschaltet. Wer damals seine Liste per Takeout als OPML gesichert hatte, war in einer Stunde woanders zu Hause. Wer nur im Konto sortiert hatte, fing von vorn an. Das ist bis heute die einzige belastbare Lehre aus dem Fall.
Der dritte Grund ist das Mitlesen. Ein gehosteter Dienst muss jeden Feed für dich abrufen und speichern, welche Artikel du geöffnet hast; anders funktioniert Synchronisierung nicht. Das ist kein Vorwurf, sondern die Bauart. Wenn dich genau das stört, hilft nur ein Programm, das die Feeds selbst holt.
Deine Abos gehören dir: die OPML-Datei
OPML ist eine XML-Datei für Gliederungen, ursprünglich von UserLand Software für deren Outliner gebaut und seit Jahren der übliche Weg, Abo-Listen zwischen Aggregatoren auszutauschen. Für dich ist das eine einzige Datei: pro Abo eine Zeile, darin die Feed-Adresse, die Ordner als Verschachtelung. Sie ist lesbar, klein und lässt sich in jedem Texteditor öffnen.
Der Ablauf ist überall gleich. Im alten Programm suchst du in den Einstellungen den Punkt Import/Export oder Abonnements verwalten und lädst die Datei herunter. Im neuen Programm suchst du dieselbe Stelle und lädst sie hoch. Danach vergleichst du die Anzahl der Abos in beiden Listen, bevor du das alte Konto anfasst. Erst wenn die Zahlen stimmen, kündigst du.
Wichtig ist, was nicht mitkommt. OPML transportiert die Feed-Adressen und die Ordnerstruktur. Gelesen-Status, Sterne, Notizen, Regeln, Filter und gespeicherte Suchen bleiben zurück, weil jeder Anbieter sie anders speichert. Plan das ein: Wer viel mit Regeln arbeitet, baut sie nach dem Umzug einmal neu.
- Exportiere die OPML-Datei jetzt, nicht erst beim Wechsel
- Bewahre sie dort auf, wo auch deine anderen Sicherungen liegen
- Zähl die Abos vor und nach dem Import
- Kündige das alte Konto erst nach dem Abgleich
Gehostet, selbst gehostet, lokal
Gehostet heißt: Ein Anbieter holt die Feeds und synchronisiert deine Geräte. Das ist der bequemste Weg und der einzige, bei dem Handy und Rechner ohne Zutun denselben Stand zeigen. Du bezahlst mit Geld, mit Werbung oder mit einer Obergrenze, und du bindest dich an den Fortbestand des Dienstes.
Selbst gehostet heißt: Die Software läuft auf deinem eigenen Server. FreshRSS steht unter der AGPL 3, kann nach eigenen Angaben über eine Million Artikel und mehr als 50.000 Feeds verwalten und importiert und exportiert OPML. Miniflux steht unter der Apache-2.0-Lizenz, wird als statisch übersetztes Programm ohne externe Abhängigkeiten ausgeliefert, entfernt Zählpixel, streicht Verfolgungsparameter aus Adressen, leitet keinen Referrer weiter und hat weder Telemetrie noch Werbung. Beide setzen voraus, dass du einen Server betreibst und aktuell hältst.
Lokal heißt: Das Programm auf deinem Gerät ist der ganze Dienst. NetNewsWire für Mac, iPhone und iPad ist kostenlos und quelloffen, kann OPML importieren und exportieren und synchronisiert auf Wunsch über iCloud, Feedbin, Feedly, Inoreader, NewsBlur, BazQux, The Old Reader oder FreshRSS. Ohne Sync bleibt jeder Rechner für sich, dafür weiß niemand, was du liest.
Leichtfeed von uns ist der lokale Weg in seiner strengen Form: Der Reader läuft vollständig auf deinem Rechner, ohne Konto, ohne Abo, ohne Server und ohne nachgeladene Bilder, und deine Abos kommen als OPML herein und gehen als OPML wieder hinaus.
Wenn du genau diesen Weg gehen willst, kannst du deine OPML-Datei in Leichtfeed laden und weiterlesen, ohne ein Konto anzulegen, und wir helfen dir bei der Umstellung.
Was beim Umzug schiefgeht
Nach dem Import wirken einige Feeds tot. Meist steckt eine alte Adresse dahinter: Die Seite ist auf HTTPS umgezogen, hat das System gewechselt oder liefert nur noch eine Weiterleitung. Ein gehosteter Dienst hat solche Adressen oft still im Hintergrund korrigiert, deine OPML-Datei trägt aber die alte. Ruf die Feed-Adresse einmal im Browser auf, dann siehst du sofort, ob dort noch XML herauskommt.
Andere Feeds sehen leer oder stumpf aus. Das liegt oft an der Spezifikation selbst: In RSS 2.0.11, veröffentlicht vom RSS Advisory Board am 30. März 2009, sind alle Elemente eines Eintrags optional, nur Titel oder Beschreibung muss vorhanden sein. Viele Seiten liefern deshalb nur eine Anrisszeile. Manche Reader holen den vollen Text nach, andere nicht; das ist ein echtes Auswahlkriterium und kein Anzeigefehler.
Die letzte Stolperstelle ist unsichtbar. Feeds enthalten Bilder, und ein Bild wird von einem fremden Server geladen, sobald der Eintrag angezeigt wird. Genau daran hängen Zählpixel. Deshalb bauen Programme wie Miniflux einen Medien-Proxy davor, und deshalb ist es die härtere Variante, Bilder gar nicht erst nachzuladen. Prüf vor der Entscheidung, wie dein Kandidat mit externen Bildern umgeht.
Leichtfeed ist unser Feedreader für genau dieses Problem. Lokal, ohne Konto, ohne Abo. Bis 25 Abos kostenlos, darüber 29 € einmalig.